Historie der Steuerberaterkammer des Freistaates Sachsen

Die Entwicklung von 1991 bis 2011

Der Beruf, wie ihn in Sachsen derzeit über 2100 Steuerberater und Steuerbevollmächtigte ausüben, hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ständig verändert. Der größte Wandel vollzog sich jedoch ganz am Anfang, als mit der Mauer auch das Wirtschaftssystem und die Steuergesetzgebung der DDR verschwandt. 350 Angehörige des Berufsstandes waren nun gezwungen, sich schnellstmöglich mit den Gesetzen und Ordnungen der BRD vertraut zu machen. Gleichzeitig offenbarten sich neue berufliche Perspektiven: Steuerberater konnten ihren Beruf jetzt eigenverantwortlich und ohne enges staatliches Korsett ausüben.

Eine berufsständische Selbstverwaltung, wie sie in den alten Bundesländern schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg geschaffen wurde, musste im Freistaat Sachsen erst aufgebaut werden. Schließlich hatte in der früheren DDR keine vergleichbare Standesorganisation existiert – Strukturen, auf die man hätte aufbauen können, fehlten.

Es waren einige Hürden bis zum Entstehen einer Steuerberaterkammer für den gesamten Freistaat zu überwinden. Aufgrund der Verordnung des DDR-Ministerrates über die Hilfeleistung in Steuersachen entstanden am 5. Oktober 1990 in den ehemaligen Bezirken Dresden, Chemnitz und Leipzig lokale Standesvertretungen. Nach vielen Gesprächen und Diskussionen wurde schließlich am 17. April 1991 beschlossen, die Vertretungen in den einzelnen Bezirken zur Steuerberaterkammer des Freistaates Sachsen zusammen zu legen. Die Gründung der Kammer mit Geschäftsstelle in Leipzig erfolgte an jenem Tag im Filmtheater auf der Prager Straße in der sächsischen Landeshauptstadt. Dr. Winfried Becker wurde zum ersten Präsidenten der Kammer gewählt, Steffi Müller übernahm das Amt der Geschäftsführerin und Beate Frömmel war die erste und zunächst einzige Mitarbeiterin in der Leipziger Rosa-Luxemburg-Str. 19/21.

Dort nahm am 1. Juli 1991, auch die hauptamtliche Kammergeschäftsführerin, RA Marga Künne, ihre Arbeit auf. Im gleichen Jahr stellte die DATEV als Dauerleihgabe einen Computer zur Verfügung. Die Daten der Mitglieder konnten nun elektronisch und nicht mehr mittels Karteikarten erfasst werden – der Grundstein für ein einheitliches Berufsregister war gelegt. Wertvolle Unterstützung kam in der Anfangszeit auch von den Kammern Nordbaden, München und Köln.

Hält man sich vor Augen, dass die damals zuständige Oberfinanzdirektion Chemnitz zum 1. April 1991 über 600 Anträge auf Umbestellung vom "Helfer in Steuersachen" zum Steuerbevollmächtigten noch nicht entschieden hatte, waren die Startbedingungen für die neue Kammer alles andere als optimal. Dazu kam, dass das Bundesministerium der Finanzen die Berufsakten der Steuerberater erst im Oktober 1991 an das Sächsische Finanzministerium übergab.

Kurz nach der Gründung unterstützte die Kammer bereits erfolgreich ihre Mitglieder. So fehlten in vielen Kanzleien Mitarbeiter. Präsident Dr. Becker annoncierte deshalb in verschiedenen sächsischen Zeitungen: "Personal für sächsische Steuerkanzleien gesucht". Daraufhin meldeten sich 450 Bewerber und 130 Ausbildungsinteressenten. Die Kammer leitete die Bewerbungen an ihre zunächst nur vorläufig bestellten 822 Mitglieder weiter. Zur Vorbereitung auf die endgültige Bestellung musste eine "Übergangsprüfung" abgelegt werden. Als erste Kammer der neuen Bundesländer organisierte die SBK Sachsen im Herbst 1992 die ersten zwei Seminare dazu. Ergänzend folgten im gleichen Jahr erste Fortbildungen zum Gebühren- und Berufsrecht sowie zur "Veranlagung 1991".
Insgesamt erhielten 480 Berufskollegen nach erfolgreicher Absolvierung der Überleitungsseminare sowie der mündlichen und schriftlichen Prüfungen ihre Bestellungsurkunden.

In dieser Zeit, als der sächsische Berufsstand der Steuerberater in den Kinderschuhen steckte, rief der Vorstand 1992 den Schlichtungsausschuss, den Ausschuss Berufsrecht und den Ausschuss Berufsausbildung ins Leben. Bis heute sind diese Gremien in Form von beschlussfähigen Abteilungen feste Bestandteile der Kammer. Genauso gehört seit 1992 die Organisation von Prüfungen der Steuerfachangestellten (damals: "Steuerfachgehilfen") dazu.

Nachdem die Mitgliederversammlung durch Beschluss vom 7. Mai 1993 die Grundlage für den Erwerb und die Sanierung eines eigenen Kammergebäudes geschaffen hatten, wurde am 7. Oktober 1994 das heutige Anwesen in der Emil-Fuchs-Straße 2 in Leipzig erworben. Nach erfolgter Rekonstruktion bezogen die Mitarbeiter der Geschäftsstelle am 23. September 1996 das neue Gebäude.

Von Beginn an ist die Interessenvertretung ein zentraler Aspekt der Kammerarbeit, unter anderem auf Sitzungen der Bundessteuerberaterkammer. Diese fand Ende April 1993 in Dresden das erste Mal in den neuen Ländern statt. Ein Jahr später trafen sich Kammervertreter fortan regelmäßig zu Klimagesprächen mit Vertretern der sächsischen Finanzverwaltung (ab 1994) und des Finanzministeriums (ab 1995). Dieser regelmäßige und konstruktive Meinungsaustausch hat bis heute seinen Platz im Jahreskalender der Kammer. Ebenso gehört der seit 1997 stattfindende Sächsische Steuerberatertag dazu. Tagungsort für die Premiere war Weinböhla. Die angebotenen Workshops bieten bis heute Mitgliedern die Möglichkeit, sich weiterzubilden und aufkommende Trends mit Berufskollegen zu diskutieren.

Der Steuerberaterkammer ist es in den ersten zehn Jahren auch gelungen, ein Steuerberaterversorgungswerk für den Freistaat Sachsen zu etablieren. Nachdem die Mitglieder am 8. November 1997 den Beschluss zur Errichtung eines Versorgungswerkes für Sachsen gefasst hatten, machte am 19. Mai 1999 per Gesetz der Sächsische Landtag den Weg frei. Ein knappes halbes Jahr später – am 1. Dezember 1999 – begann das Versorgungwerk im Obergeschoss der Kammergeschäftsstelle mit seiner Arbeit.

Parallel zu diesen Ereignissen übernahm die Kammer weitere Aufgaben. So ist sie seit 2000 für die Anerkennung von Steuerberatungsgesellschaften zuständig. Inzwischen sind es in Sachsen über 300. Auch das Seminarangebot für Steuerberater und ihre Mitarbeiter wuchs stetig. Wurden 2001 80 Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt, organisierte die Kammer 2010 insgesamt 125. Gleichfalls stiegen die Mitgliederzahlen. 2001 waren aus den anfänglich 870 schon über 1800 geworden. Im selben Jahr nahm zum ersten Mal die Kammer die Bestellung der neuen Mitglieder vor. Die Urkunden überreichte Präsident Uwe Ronneberger. Es sollte eine seiner letzten Amtshandlungen gewesen sein, denn noch im gleichen Jahr verstarb er. Anfang 2002 wählten die Mitglieder auf einer außerordentlichen Kammerversammlung Steffi Müller zur Präsidentin. Ein Jahr später ernannte der Vorstand RA Andreas Hillner zum Geschäftsführer.

In der Folgezeit entwickelte sich der Berufsstand in Sachsen weiterhin prächtig, das Berufsregister umfasste 2011 erstmals über 2500 Mitglieder. Und inzwischen nimmt die Kammer nicht nur die Bestellung vor, seit 2009 organisiert sie die Steuerberaterprüfung auch selbst. Neben dieser neuen gesetzlich übertragenen Aufgabe widmete sich die Steuerberaterkammer in den vergangenen Jahren intensiv dem Thema Öffentlichkeitsarbeit. Im Oktober 2006 professionalisierte der Kammervorstand die Kommunikation, indem er einen entsprechenden Arbeitskreis ins Leben rief. Darin entwickeln Steuerberater gemeinsam mit PR-Experten Strategien und Maßnahmen, um zum einen die öffentliche Wahrnehmung des Berufsstands und seiner Leistungen zu fördern, zum anderen aber auch, um qualifizierten Nachwuchs auf die Ausbildung "Steuerfachangestellter" aufmerksam zu machen. So wurde unter anderem die Internetseite überarbeitet und der Kontakt zu Medienvertretern intensiviert. Daneben aktualisierte der Arbeitskreis die Mitgliederzeitschrift und brachte den Messestand für die Ausbildungswerbung auf die Höhe der Zeit.

Stand: 01.05.2011