E-Mail des Präsidenten der Steuerberaterkammer Herrn StB/WP/RA Dirk Rose an die Sächsische Staatskanzlei zu den Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen in Sachsen für die steuerberatenden Berufe vom 23.03.2020

Sehr geehrter Herr Popp,

ich schreibe Ihnen als Vertreter aller Sächsischen Steuerberater und nutze mit Rücksicht auf Ihren Terminkalender diesen vereinfachten Weg.

Uns als Steuerberaterkammer Sachsen und mich als Präsident der Steuerberaterkammer Sachsen erreichen in den letzten Tagen viele Hinweise, Sorgen und Bitten der Steuerberater. Die Sicht der Steuerberater wird leider in der Politik nicht ausreichend wahrgenommen. Wir haben Verständnis dafür, dass derzeit der Infektionsschutz aller höchste Priorität hat. Leider ist es aber so, dass politisches Handeln nicht immer zu den Bedürfnissen passt.

Das aktuellste Beispiel hierfür ist die gestrige Allgemeinverfügung (15-5422/10). Einerseits erfahren wir vor Erlass dieser Allgemeinverfügung, dass

1. unsere Landesregierung ein Programm zur Soforthilfe auf dem Weg bringt, bei dem die wirtschaftlichen Verhältnisse zum 31.12.2019 zu prüfen sind.

2. die Bundesregierungen Erleichterungen für das Kurzarbeitergeld regelt.

3. die Finanzverwaltung Erleichterungen bei Anträgen zu Steuerstundung, Steuervorauszahlungen und Vollstreckungen erlässt.

4. unser Bundesarbeitsminister ausdrückliche sagt; „Rufen Sie zuerst ihren Steuerberater an.“.

Anderseits ist der Termin beim Steuerberater nach dem Wortlaut der Allgemeinverfügung kein triftiger Grund.

Ich möchte die Situation nochmal einmal verdeutlichen:

Meine Steuerberaterkollegen und ich sind in den letzten Tagen hauptsächlich mit Aufklärung und Hilfe der Unternehmer befasst. Wir suchen Informationen und beraten unsere Mandanten insbesondere bzgl. Kurzarbeitergeld, Steuererleichterungen und ab dieser Woche zu den Sofortmaßnahmen. Gerade wenn nun neben dem Kurzarbeitergeld die Sofortmaßnahmen, KFW Kredite und SAB Programme anlaufen, sind wir Steuerberater die ersten Ansprechpartner der Unternehmer. Wir hören uns die Sorgen der Unternehmer an, wir beraten die Unternehmer, welche Soforthilfe für diese in Betracht kommt, und helfen bei der Umsetzung (Probeberechnungen, Ermittlung der Zahlen, Anträge). Die letzten Tage haben bzgl. der Kurzarbeit gezeigt, was unsere Steuerberaterkollegen hier leisten. Nicht nur im Bereich der Aufklärung, sondern gerade auch bei der Umsetzung (bspw. Anzeige des Arbeitsausfalls oder Berechnung der Auswirkungen im Lohnbereich). Die Erfahrungen zeigen, dass sich dies in den kommenden Tagen und Wochen bei den Anträgen für die KFW und die SAB fortsetzen wird. Gerade wenn der Antragsteller beim Soforthilfe-Darlehen darstellen muss, dass er zum 31.12.2019 wirtschaftlich gesund war, dann geht dies nicht ohne den Steuerberater, der die Zahlen aufbereitet.

Die Steuerberater sind folglich der wesentliche Mittelmann/die wesentliche Mittelsfrau, damit das Soforthilfeprogramm auch Wirkung zeigen und auch bei den Unternehmern zeitnah ankommen kann. Zudem entlasten wir Steuerberater die Zuwendungsstellen, wie Arbeitsagentur, SAB, KFW u.a., da wir ebenfalls Aufklärung bieten, sofern uns die Informationen hierzu vorliegen. Die Steuerberater sind es, die die Anträge beim Finanzamt stellen.

Aus diesem Grund habe ich letzte Woche auch gegenüber dem SMWA gefordert, dass im Hinblick auf die mögliche Anpassung bei den wichtigen Berufen und deren Betreuungsangebote, die Steuerberater Berücksichtigung finden.

Wie oben aufgezeigt liefern derzeit gerade die Steuerberater einen wichtigen Beitrag, da wir die ersten Ansprechpartner der Unternehmer sind. Das Problem ist nur, dass uns das Personal fehlt, wenn keine Betreuung gewährleistet ist. Hier kommt es bei den verbleibenden Kollegen und Mitarbeitern zu Belastungsspitzen, die nur bedingt auf längere Zeit abzufedern ist. Ich lasse bspw. bei mir in der Kanzlei ganz bewusst vereinzelte Leute ein Tag länger Wochenende machen, damit diese sich ausruhen können, da die letzten Tage sehr anstrengend waren. Wir hören uns neben der laufenden Berichterstattung eben auch die Sorgen der Unternehmer an und suchen nach Lösungen. Dies führt neben der körperlichen eben auch zu einer psychische Belastung; insoweit benötigen die Steuerberaterkollegen jeden Mitarbeiter, der helfen kann. Die Steuerberaterkollegen sind dabei sehr flexibel und bieten, sofern dies möglich ist und die Unternehmer (also unsere Mandanten) bereits auf das digitale Büro umgestellt haben, weitreichend Homeoffice an. Leider ist aber selbst Homeoffice schwer umzusetzen, wenn die Mitarbeiter der Kanzleien mangels Betreuungsmöglichkeiten ihrer Kinder, nicht arbeiten können. Bei schulpflichtigen Kindern sind ja ebenso die Schulaufgaben zu betreuen. Zudem sind eben noch nicht alle Unternehmer soweit und können die Unterlagen noch nicht digital zur Verfügung stellen. Auch hierfür gibt es Lösungen in den Kanzleien, die eine kontaktarme Übergabe gewährleisten, um diese in den Kanzleien zu scannen. Nur sind die Mitarbeiter eben nicht in der Kanzlei, sondern zu Hause, um die Kinder zu betreuen.

Ich glaube, dass die Steuerberater hier mehr helfen können, als man glaubt. Damit dies aber funktioniert, brauchen wir konkret Hilfe; und zwar:

1. Schnellere und konkrete Informationen. Gerne über unsere Steuerberaterkammer Sachsen; wir verteilen diese dann.

2. Einstufung der Steuerberater bei den wichtigen Berufen, damit die Kollegen und ihre Mitarbeiter Zugang zu einer Betreuung ihrer Kinder bekommen.

3. Einstufung der Termine beim Steuerberater als triftigen Grund in Sinne der oben genannten Allgemeinverfügung. Ggf. innerhalb eines ergänzenden FAQ.

4. Für den Fall, dass es zu Verschärfungen bei den Ausgangssperren kommt, eine Ausnahmegenehmigung für Steuerberater und deren Mitarbeiter, ihrer Tätigkeit weiter nachgehen zu dürfen, damit die Hilfe für die Unternehmer aufrecht erhalten werden kann.

Gern können wir hierzu auch telefonieren, um Ihnen die Situation noch einmal zu verdeutlichen.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Rose

Präsident