08.11.2022 | Meldungen, 2022

Belastungsgrenze längst überschritten

Das Jahresgespräch im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen fand am 7. November 2022 in Dresden statt. „Wir kommunizierten nochmals mit Nachdruck die dramatische Situation in den Kanzleien. Angesichts des extrem hohen und andauernden Arbeitsaufkommens ist die Belastungsgrenze längst überschritten. Fristverlängerungen helfen kurzfristig, aber wir brauchen weitreichende Lösungen wie beispielsweise eine Modernisierung des Steuerverfahrensrechts“, berichtet Dirk Rose, Präsident der Steuerberaterkammer Sachsen.

Im Vorfeld des Jahresgespräches holte sich die Steuerberaterkammer Sachsen ein Feedback aus dem Berufsstand. Mehr als 160 Steuerberater*innen schilderten ihre Probleme bei der Bewältigung des stetig weiter anwachsenden Aufgabenspektrums inklusive Fristendruck. „Die Situationsbeschreibungen machen mich sehr besorgt. Immer mehr Kanzleien müssen sich von Mandanten trennen, weil sie keine Kapazitäten mehr haben. Einige Berufskollegen arbeiten sieben Tage in der Woche nahezu rund um die Uhr und können trotzdem nicht, allen Fristen und Anfragen seitens der Finanzbehörden nachkommen. Viele Kanzleiinhaber überlegen, beruflich umzusatteln oder früher in den Ruhestand zu gehen.“

Die Gesprächspartner*innen des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen zeigten sich von dem dramatischen Appell des Berufsstandes unbeeindruckt. „Wir sind enttäuscht. Dann werden leider immer mehr Mandanten keine Steuerberatung mehr haben und das bedeutet wesentlich mehr Aufwand für die Finanzämter. Das ist eine traurige und eine für alle Beteiligten äußerst negative Entwicklung“, resümiert Dirk Rose. Allen Steuerberater*innen dankte er für die zahlreichen E-Mails und Feedbacks, die ihn in den letzten Wochen erreichten: „Wir haben jeden Bericht wahrgenommen und sind sehr dankbar für das uns entgegengebrachte Vertrauen. Ernüchtert von der Haltung der Finanzverwaltung können wir unseren Berufsträgern momentan nur empfehlen, mit den eigenen Kräften und dem Personal zu haushalten.“ Gleichwohl bekräftigt Dirk Rose den Willen, weiterhin auf die Missstände hinzuweisen und für Verbesserungen zu kämpfen: „Wir werden den Entscheidern in Politik und Finanzverwaltung stetig die Warnsignale senden. Denn so darf und kann es nicht weitergehen.“