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Meldungen

Transformationsdruck und Zukunftschancen

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40. Ordentliche Kammerversammlung der Steuerberaterkammer Sachsen

171 natürliche Personen und 63 Berufsausübungsgesellschaften, vertreten durch ihre Geschäftsführer, kamen zur 40. Kammerversammlung in Dresden zusammen. Das jährlich stattfindende Treffen der Kammermitglieder fand am 2. Juli im Bilderberg Bellevue Hotel statt. „Wir freuen uns über das große Interesse unseres Berufsstandes an den Zukunftsthemen, die eindeutig in Richtung Transformation zeigen“, begrüßte Kammer-Präsident Dirk Rose die Teilnehmenden.

Diesen Kurs verfolgte auch Thomas Pütter. Der Unternehmer und Experte für zeitgemäße Unternehmensstrukturen sowie Führung wählte in seinem praxisorientierten Impulsvortrag die direkte Ansprache. Den Aufwuchs des „Feel-Good-Managements“ bezeichnete er als „Transformationsfalle“. „Statt Obstkörbe brauchen die Mitarbeitenden Empathie, Dialog- und Konfliktfähigkeit sowie Selbstreflexion.“ Für Thomas Pütter sind das die Zukunftsskills in Unternehmen und er zeigte auf, was moderne Führung in digitalen Zeiten heißt. Um Gewinne zu erwirtschaften, müssen Kanzleistrukturen funktionieren. Projektarbeit gehört dazu, aber sie muss richtig angepackt werden. Wer führt wen in der Kanzlei? Das ist eine zentrale Frage. Der Transformationsdruck steigt auch in Kanzleien und in Sachen Personal dreht sich der Wind. Wollen sich Kanzleien C-Mitarbeitende – sogenannte Low Performer – noch leisten? Ähnlich provokant, benannte Thomas Pütter die häufigsten Fehler beim Change Management: „Wenn Beteiligte keine Fragen stellen dürfen, die Vision und ein definierter Plan fehlen, dann wird das nix.“

Transformation aktiv gestalten

Dass jede Veränderung Widerstände auslöst, bestätigten auch die Teilnehmenden der anschließenden Podiumsdiskussion. Neben Kammer-Präsident Dirk Rose als Moderator saßen der Führungsexperte Thomas Pütter und die Steuerberaterin Heike Liebermann sowie die Steuerberater Frank Irrgang und Aaron Schramm in der Runde. Die Diskussionsgäste repräsentierten das Gesamtspektrum des Berufsstandes: von großen und digitalen Gesellschaften bis zu kleinen, klassisch geführten und in ländlicher Region beheimateten Steuerkanzleien. Wer wie Aaron Schramm viele Mitarbeitende kurz vor dem Ruhestand im Team hat, testet IT-Tools selbst am Wochenende. Auch die Trennung von ineffizienten Mandaten ist nicht immer eine Option. Aaron Schramm qualifiziert aber jetzt einen Mitarbeiter zum Digitalisierungscoach und möchte Aufgaben dann delegieren. Heike Liebermann ist Partnerin einer bereits weitgehend transformierten Kanzlei, in der stetiger Wandel gelebt wird. Mit den Mitarbeitenden werden alle vier Monate Performance-Management-Gespräche geführt. Kernarbeitszeiten fehlen, alle dürfen remote arbeiten und Verantwortung wird übertragen. „Jeder sollte den Mut haben, sich von Mitarbeitenden zu verabschieden, die nicht mitziehen und die angebotenen Chancen ungenutzt lassen“, weiß Heike Liebermann aus eigener Erfahrung. In der Kanzlei von Frank Irrgang läuft viel bei ihm als Inhaber zusammen. Projektarbeit hält er für denkbar, Homeoffice gewährt er an zwei Arbeitstagen pro Woche und verzichtet ebenfalls auf Kernarbeitszeiten. Für den Teamgeist setzt er auf sportliche Aktivitäten. Thomas Pütter betonte, dass die Kanzleigröße aus seiner Expertise ausschlaggebend für Transformation ist. Dirk Rose bezog das Publikum durch Abstimmungsfragen immer wieder in die Diskussion ein. Den Schlusspunkt setzte Thomas Pütter mit der Beantwortung einer Publikumsfrage, wie man eine Mitarbeiterin am besten zur Teamleiterin entwickelt.

Tätigkeitsberichte und Abstimmungen

Am Nachmittag wurde die 40. Kammerversammlung mit dem Bericht des Präsidenten fortgesetzt. Dirk Rose benannte die Schwerpunkte E-Rechnung und Meldesystem, Steuerberaterprüfung und Geldwäscheprävention. Für den B2B-Bereich wird die E-Rechnung ab 2027 weitestgehend verpflichtend. Die Einführung von Meldesystemen in der Umsatzsteuer ab 2031 wird immer höhere Prozessgeschwindigkeiten bewirken. Damit werden digitale Anpassungen in den Kanzleien nötig sein. Bei der Steuerberaterprüfung hob Dirk Rose die Vorreiterrolle von Sachsen hervor. Hier wird die Steuerberaterprüfung ab diesem Jahr verpflichtend elektronisch durchgeführt. Auf Bundesebene wird an einer grundlegenden Reform der Prüfung gearbeitet und es besteht die Aussicht für eine Gesetzesänderung ab 2028. Bestandene Prüfungen sollen dann mitgenommen werden können, der Fakultätsvorbehalt soll ebenso wie die Begrenzung auf drei Prüfungsversuche fallen. „Diese Änderungen werden die Angst vor Examen deutlich mindern“, ist Dirk Rose überzeugt.

Die Geldwäscheprävention treibt die Steuerberaterkammer Sachsen und ihre Mitglieder gleichermaßen um. Die EU erhöht bei diesem Thema weiterhin den Druck, die Kammer muss andererseits ihre Aufgabe als Aufsichtsbehörde erfüllen. Perspektivisch müssen sich die Kanzleien darauf einstellen, dass für eine Risikobewertung Unternehmenskennzahlen abgefragt werden. „Wir sind in den Gesprächen auf Bundesebene dabei und stehen an der Seite unserer Mitglieder“, versicherte Dirk Rose.

Von Ausbildung bis Geldwäscheprävention

Auf den Bericht des Präsidenten folgten die Tätigkeitsberichte der Abteilungen und Ausschüsse des Vorstandes.

Steuerberaterin und Vize-Präsidentin Silke Lachmann bilanzierte in ihrem Bericht der Abteilung Berufsausbildung bereits 105 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse, die ab Sommer 2026 starten. „Es werden weitere hinzukommen, die Quote bleibt gut“, sagte Silke Lachmann. Sie stellte auch die Erfahrungen der jetzt nach neuer Prüfungsordnung als Mandanten-Gespräch durchgeführten mündlichen Abschlussprüfung dar. Insgesamt 177 Prüflinge absolvieren gerade diese Prüfung. In diesem Zusammenhang wurde den 107 ehrenamtlichen Mitgliedern, davon 74 Kammermitglieder, gedankt, die sich in den Prüfungsausschüssen engagieren.

Für die Abteilung Berufsrecht/Berufsaufsicht/Geldwäscheaufsicht sprach der Steuerberater André Unger. Es gelang ihm, das sperrige Thema des Ablaufs einer Geldwäscheprüfung inklusive der Verhängung von Verwarn- und Bußgeldern ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. „Nichtmitwirkung am Verfahren muss als Vorsatz bewertet werden, deshalb reden Sie mit uns“, appellierte André Unger an den Berufsstand: „Besser als Untätigkeit ist der Anruf in der Kammer.“

Über den Geschäftsbereich Seminare und Workshops berichtete die Steuerberaterin Katja Hanf. Die Bilanz fällt mit 159 im Jahr 2025 durchgeführten Veranstaltungen erfreulich aus. Mit fachlicher Aktualität und Transformation, Stärkung von Ausbildung und Vernetzung werden Schwerpunkte in der Weiterbildungsarbeit gesetzt. „Besonders erfolgreich laufen die Kooperationen mit anderen Kammern. Durch gemeinsame Angebote lassen sich Kosten reduzieren und Spezialthemen anbieten“, resümierte Katja Hanf. Die angebotenen Formate Azubi-Kolleg, Azubi-Kick-off und Azubihäppchen werden gut angenommen. Hinzu kommen kostenfreie Angebote wie das monatliche KI-Forum sowie der Ausbau des Austausches verschiedener Anspruchsgruppen, wie zum Beispiel die Sprechstunde zur Steuerberaterprüfung.

Berufsrepräsentanten zur Nachwuchsgewinnung

Die Aktivitäten des Ausschusses Kommunikation setzte der Steuerberater Hendrik Sebastian in Szene. Im Fokus stand hier die Ansprache von Jugendlichen für die Steuerfachangestellten-Ausbildung. 136 Berufsrepräsentanten engagieren sich hierzu auf Regionalmessen und in Schulen. Insgesamt 59 Veranstaltungen ließen sich im Jahr 2025 bilanzieren. Die seit 2022 erfolgreich laufende Social-Media-Kampagne steuerdeinekarriere.de wird zum Jahresende aus Kostengründen auslaufen. Unter dem Dach von steuerdeinekarriere.de werden künftig auch die Zielgruppen angesprochen, die bereits im Beruf stehen und für eine Tätigkeit in Steuerberatungskanzlei zu gewinnen wären. Es erfolgte zudem der Hinweis auf die Fachkräfteinitiative #zahltsichausbildung von Bundessteuerberaterkammer, Deutschem Steuerberaterverband und DATEV eG sowie die an die Steuerkanzleien gerichtete Initiative „GEMEINSAM handeln!“.

Mit Vorstandsbeschluss vom 5. Februar 2026 gingen die Ausschüsse Kommunikation und Wandel der Arbeitswelt in den Ausschuss Dialog und Zukunft über. Die Steuerberaterin Anja Kellner beschrieb den Prozess der inhaltlichen und strukturellen Neuausrichtung: „Wir wollen Zukunftsfragen des Berufsstands strategisch und kommunikativ aus einer Hand bearbeiten.“ Mit der Zusammenführung wurde eine personelle Verschlankung verbunden, die der Kosteneffizienz zuträglich ist. Erste Zukunftsprojekte sind gestartet. „Auf der Kammer-Webseite werden diese Projekte im öffentlich zugänglichen Mitglieder-Bereich sichtbar. Wir beginnen mit der <<KI-Einstiegshilfe für Kanzleien>> und der <<Reform der Steuerberaterprüfung>>. Bereits in Planung sind Projekte zu Change Management in der Kanzlei, Honorarmodellen, Vorsorge & Notfallplan/Praxisabwicklung sowie zu persönlichen Erfolgsfaktoren. Impulse und Themen aus der Mitgliedschaft sind gefragt“, lud Anja Kellner zur Mitwirkung ein.

Vorstand entlastet

Auf der weiteren Agenda der 40. Kammerversammlung standen die Genehmigung des Jahresabschlusses 2025 und die Entlastung des Vorstandes. Beides erfolgte gemäß der erforderlichen Mehrheitsabstimmungen. Ebenfalls beschlossen wurden der Wirtschaftsplan 2027 sowie die Änderung der Satzung und der Wahlordnung. Die Anzahl der Vorstandsmitglieder verringert sich von bisher 11 auf 10 Personen. Mit der im Jahr 2027 regulär anstehenden Vorstandswahlperiode werden elektronische Wahlsysteme zum Einsatz kommen. Wie Kammer-Geschäftsführer Andreas Hillner ausführte, gelingt damit die zeitliche und organisatorische Straffung der Wahlen.

Austausch und Einkehr

Kammer-Präsident Dirk Rose beendete den formellen Teil der 40. Kammerversammlung mit einem Dank an alle für die aktive Mitwirkung und Mitgestaltung. An den Thementischen im Foyer konnten die Teilnehmenden den Austausch über Berufsausbildung, Berufspolitik und Geldwäscheprävention sowie Dialog und Zukunft weiter fortsetzen. Hier standen auch Mitarbeitende der Kammer-Geschäftsstelle für den Austausch zur Verfügung und wer wollte, ließ sich als Berufsrepräsentant für die Nachwuchsgewinnung registrieren.

Den sommerlichen Ausklang fand die Kammerversammlung dann im „Elbsegler“. Der zum Hotel gehörende Biergarten eröffnete den Gästen den berühmten Canaletto-Blick auf Elbflorenz und verwöhnte die Gaumen mit einem Grillbuffet. So setzte die 40. Kammerversammlung der Steuerberaterkammer Sachsen einen rundum angenehmen Schlussakkord in Dresden.